Wie man PRINCE2 und Scrum erfolgreich kombiniert

Antworten aus der Praxis

(J.Lackinger und A. Ellenberger)

Bei der Kombination dieser beiden Methoden tauchen immer wieder dieselben Fragen auf:

  • Kann man die Methoden überhaupt miteinander kombinieren?
  • Soll man sie zugleich oder hintereinander anwenden?
  • Wer nimmt welche Rolle ein?

Eines vorweg:
Beide Methoden können sehr gut miteinander kombiniert werden!

PRINCE2 ist eine Projektmanagementmethode, bei der die Produkterstellung an Teams delegiert wird. Scrum ist vordergründig ein Framework für die Arbeit in Teams. Das bedeutet, dass sich die beiden Methoden eher ergänzen als überlappen. Scrum ist aber mehr als nur ein Framework, es ist eine Art zu arbeiten und zu denken, die sehr tief geht. Es beruht auf einer Kultur des Empowerment, sich selbst organisierender Teams und der kontinuierlichen Änderung und Verbesserung. Diese Kultur passt ausgezeichnet zu den PRINCE2 Prinzipien, sodass auch von fundamentaler Seite nichts gegen eine Kombination spricht.

 

The magic is in the mix!

In der Praxis haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, beide Methoden miteinander zu kombinieren . Es bietet sich an, die Definition und Planung eines Projekts bzw. der einzelnen Produkte weitgehend mit den Steuerungsmechanismen von PRINCE2 abzuwickeln und die Steuerung / Produkterstellung mit Scrum. In der Vorbereitung und Initiierung lassen sich User Stories und Product Backlog mit den Produktbeschreibungen kombinieren. Zusätzlich werden einzelne Artefakte - z.B.: Managementprodukte wie Pläne und die Projektleitdokumentation - in den Product Backlog aufgenommen und entsprechend priorisiert . Auch bei wichtigen Meilensteinen oder beim Abschluss eines Projektes kann man auf entsprechend "ge-leante" PRINCE2 Prozesse "Managen eines Phasenübergangs" und "Abschließen eines Projektes" zurückgreifen.

 

Man darf aber nicht vergessen, dass der Einsatz von Scrum vom Projektumfeld ein hohes Maß an Vertrauen und vom Team einen vergleichsweise hohen Reifegrad bzgl. Arbeitsweise und Selbstorganisation erfordert. Wir erleben es immer wieder, dass einzelne Teammitglieder sich für den Einsatz von Scrum stark machen, aber dann nicht die Zeit und Disziplin aufbringen, um regelmäßig und konstruktiv z. B. bei der Sprintplanung oder beim (daily) stand up mitzuwirken.

 

Die Rollenverteilung hängt vom Charakter und der Größe des Projektes ab.

Sind Projektziele / User Stories und Methoden klar, dann haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, das Projekt aus einer PRINCE2 Perspektive zu strukturieren: Es gibt einen PRINCE2 Projektmanager, der Scrum Master agiert als Teammanager (und eventuell als Lieferantenvertreter), der Product Owner als Benutzvertreter. Wenn Projektziele / User Stories und Lösungswege eher unklar sind und abzusehen ist, dass intensive Kommunikation und Abstimmung erfolgen muss, haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, ein Projekt aus der Scrum Perspektive zu strukturieren. Da in solchen Projekten der Projektmanager meist auch fachliche Verantwortung übernimmt, kann die Rolle des Product Owners vom PRINCE2 Projektmanager wahrgenommen werden. In kleineren Projekten könnte der PRINCE2 Projektmanager auch die Rolle des Teammanagers übernehmen und damit im Sinne von Scrum als Scrum Master agieren – dabei sollte jedoch vermieden werden, dass er zugleich als Product Owner auftritt, da ansonsten ein Zielkonflikt entstehen würde.

 

Was meinen Sie?

Haben Sie auch Erfahrungen oder Fragen zu diesem Thema? Wir sind sehr gespannt, Ihre Eindrücke und Anregungen aufzunehmen - Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie einen Kommentar!